Runderneuertes Jugendwohnheim eingeweiht

Keita Amadou stammt aus Mali – einem Land, das sich, wie viele andere Staaten Afrikas, in einer permanenten Sicherheitskrise befindet. Fast zwei Jahre ist es her, dass Amadou von dort floh. 5.700 Kilometer von seinem Zuhause entfernt, fand er im Schweinfurter Kolping-Jugendwohnen eine neue Heimat. Wie wichtig das Jugendwohnen gerade für Flüchtlinge ist, wurde bei der Einweihung des Projekts Kolping.Jugend.Wohnen. am Beispiel von Keita Amadou deutlich.

Jugendlichen, die zum Blockunterricht nach Schweinfurt kommen, ist es seit langem möglich, im Kolping-Bildungszentrum günstig zu wohnen. Seit Januar 2014 werden hier außerdem junge Flüchtlinge betreut, die, wie Keita Amadou, die Flucht ohne ihre Eltern antraten. Weil der Gebäudekomplex in die Jahre gekommen war, entschied sich das Bildungszentrum, das Wohnheim von Grund auf zu sanieren. Eineinhalb Jahre wurde gebaut. Das war anstrengend für die Blockschüler, die jungen Flüchtlinge und das pädagogische Personal. Aber es hat sich gelohnt, gewann doch das Jugendwohnen durch die neuen, modernen Räume ungemein an Attraktivität.

Rund eine Million Euro kostete die aufwändige Sanierung. Für das Kolping-Bildungszentrum alleine wäre diese Summe nicht zu stemmen gewesen. Es gab jedoch Unterstützung. So setzte sich Thomas Goppel, Aufsichtsratsvorsitzender des Kolping-Bildungswerks, politisch für die Erneuerung des Jugendwohnens ein. 350.000 Euro wurden von der Bundesagentur für Arbeit bereitgestellt. Eine ähnlich hohe Summe schoss das Bischöfliche Ordinariat zu. Das Kolping-Bildungszentrum selbst investierte ein Drittel der Bausumme in das Vorzeigeprojekt.

Ein großer Batzen, der aber zu Recht eingebracht wurde, betonte Axel Möller, Vorsitzender der Kolping-Stiftung-Schweinfurt. Der hohe finanzielle Einsatz für Blockschüler, vor allem aber auch für junge Flüchtlinge zeugt nach seiner Ansicht davon, dass bei Kolping Solidarität in echter Weise gelebt wird. „Solidarität heißt ja nicht, bloß das abzugeben, was man zu viel hat, sondern das zu teilen, was man besitzt“, so der ehemalige Geschäftsführer von Kolping Mainfranken.

Menschen in Not zu helfen, bedeutet weit mehr, als Almosen zu geben, unterstrich auch Festredner Thomas Goppel: „Das Teilen dessen, was wir selbst besitzen, ist unsere Aufgabe.“ Goppel plädierte dafür, andere Menschen einzubinden statt sie auszugrenzen. Dies tue Kolping in Schweinfurt, indem junge Flüchtlinge aufgenommen werden: „Und man dafür sorgt, dass sie sich wohlfühlen.“ Mit seinem Engagement für das Jugendwohnen steht das Schweinfurter Bildungszentrum Goppel zufolge ganz in der Tradition von Sozialreformer Adolph Kolping, der sich vor über 150 Jahren dafür einsetzte, dass junge Handwerksgesellen in der Fremde eine „Familie“ fanden.

Wie wichtig das Kolping-Jugendwohnen für junge Flüchtlinge ist, verdeutlichte Keita Amadou, der im Mai 2015 ein Zimmer im damals noch nicht umgebauten Wohnheim bezog. „Als ich in Deutschland ankam, konnte ich noch überhaupt kein Deutsch sprechen. Es war für mich auch sehr schwierig, zu lesen oder zu schreiben“, schilderte er. Von den Pädagoginnen und Pädagogen im Jugendwohnen sei er unterstützt und ermutigt worden. Amadou, heute 18 Jahre alt, konnte im August in eine Außenwohngruppe ziehen. Inzwischen lebt er ehrenamtlich betreut alleine. Seit September leistet er im Kolping-Gasthaus „HandWerk“ eine Einstiegsqualifizierung als Koch ab.

Zehn junge Flüchtlinge aus allen Teilen dieser Welt leben im neuen Kolping-Jugendwohnen. Hier werden sie bei den ersten Integrationsschritten unterstützt, vor allem, was Schule, Ausbildung und Beruf anbelangt. Für das pädagogische Team stellte es anfangs eine große Herausforderung dar, junge Menschen zu betreuen, die aus fremden Kulturen stammen, berichtete Pädagoge Markus Wächter bei der Einweihungsfeier. Wie groß die kulturellen Unterschiede sind, zeigte er an einer kleinen Anekdote auf: „Bei uns war eine Gruppe junger Somali. Hatten die miteinander Spaß, war das so laut, dass wir anfangs immer dachten, sie streiten sich.“

Wächters größter Wunsch wäre es, wenn die jungen Flüchtlinge auch nach ihrer Volljährigkeit betreut werden dürften. „Man kann von ihnen nicht verlangen, dass sie sich in ein oder zwei Jahren komplett integriert haben und nun alleine klarkommen“, erklärte er. Die Erfahrungen der letzten drei Jahre zeigten, dass dies fast immer unmöglich ist.

19.12.2016

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Die Einweihung des runderneuerten Jugendwohnheimes in Schweinfurt

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