Jahrestagung des Forums Jugendwohnen „Auswärts Zuhause“

Unter dem Titel „Pädagogische Antworten auf digitale Herausforderungen – Jugendwohnen 4.0?!“ tagten Ende Juni rund 45 Fachkräfte aus Einrichtungen des Jugendwohnens aus ganz Deutschland in Erfurt. Einrichtungsleitungen, Mitarbeitende sowie Geschäftsführungen diskutierten zentrale Fragen rund um’s Thema. Ein Blick über den Tellerrand boten Inputs zu relevanten Ergebnissen der JIM Studie 2017 des Medienpädagogischen  Forschungsverbund Südwest (mpfs) oder zu Herausforderungen der Digitalisierung für die Berufsausbildung.  Basis der Diskussion möglicher pädagogischer Ansätze bot der Vortrag „Aktive Medienarbeit & Medienpädagogische Professionalisierung in der Jugendhilfe“ von Christian Helbig, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mediendidaktik/Medienpädagogik (Uni Köln).

Vielfältig waren die Einstellungen zum Thema der Digitalisierung: Von Ablehnung in der eigenen Nutzung über die punktuelle Einbeziehung bis hin zur Einbindung in die eigene Arbeit und zur Sicht auf Potentiale. In der Praxis stellt die Nutzung digitaler Medien die Teams in den Häusern vor viele Herausforderungen:  Die Freundschaften in den Einrichtungen rücken in den Hintergrund, denn durch die sozialen Medien bleiben Familie und Freunde aus der Heimat täglicher Kommunikationspartner. Nicht nur das, selbst bei Langeweile bietet das smarte Endgerät vielfältige Abwechslung. Startet eine Netflix-Serie, ist es ruhig im Haus. Fragen werden manchmal nicht gestellt, Antworten im Internet gesucht und vermeintlich gefunden. Auch stellt die Datenschutzgrundverordnung die Nutzung sozialer Medien Teams vor neue Herausforderungen.  Die Digitalisierung in der eigenen Arbeit hingegen scheint (noch) kein Thema in der Praxis zu sein.

Eines stand am Ende aber fest: Ausgangspunkt der eigenen Arbeit ist und bleibt der persönliche Kontakt zu den Jugendlichen. Grundlage für den pädagogischen Umgang mit den Auswirkungen der Digitalisierung ist – wie bei allen anderen Themen auch – die eigene Haltung, des Teams sowie die gemeinsame Entwicklung von realistischen Handlungsoptionen. Auch heißt es wie bisher in der Arbeit, Anlässe für die Jugendlichen zu bieten, um in den persönlichen Kontakt zu kommen.

Allerdings wäre das pädagogische Handeln zu kurz gedacht, wenn digitale Techniken „nur“ zur Schaffung von Gesprächsanlässen benutzt würden.  Auch formuliert wurde der Anspruch, sog. Bildungsverlierer_innen zu stärken und ihnen den Anschluss zu ermöglichen.  Ebenso unterstrichen Teilnehmende die Vermittlung eines kritischen Blicks auf smarte Techniken und die Entstehung von unkontrollierbaren Datenmengen.   Genauso wichtig: Ein zeitgemäßes, zielgruppengerechtes Marketing für das eigene Angebot. 

Am Ende der Jahrestagung fuhren die Teilnehmenden mit konkreten Ideen im Gepäck nach Hause, sei es der Teamtag zu Chancen und Risiken der Digitalisierung, der Aufbau von Kontakten zu Anbietern digitaler Bildung, die konkrete Idee für ein Projekt oder die Einbindung sozialer Medien in das eigene Marketing.

17.07.2018

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